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  #41  
Alt 01.02.2017, 04:02
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man muss ja nicht für die Masse publizieren
ich finde die Kommentare sehr sehr gut! und würde mich über eine Fortsetzung sehr freuen.

Grüße, Jürgen
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applechess (01.02.2017)
  #42  
Alt 01.02.2017, 12:59
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Liebe Schachfreunde

Aufgrund der positiven Rückmeldungen werde ich weitermachen.

Viele Grüsse
Kurt
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Boris (01.02.2017), breizatao (06.02.2017), Egbert (01.02.2017), Hartmut (02.02.2017), Mapi (01.02.2017), MaximinusThrax (01.02.2017), Novize (01.02.2017), RetroComp (01.02.2017), Robert (02.02.2017), Wolf 21 (01.02.2017)
  #43  
Alt 04.02.2017, 12:14
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Liebe Schachfreunde

Der Einsatz von Schachcomputern in unserer Vereins-Meisterschaft in Pfäffikon, Kanton Zürich, Schweiz, war für mich als Bediener, wie auch für die teilnehmenden Spieler, immer spannend.

1986: Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Das damalige Weltmeisterprogramm von Richard Lang erreichte 3 Pkt aus 7 Partien, eine Gewinnquote von 42,8 % bzw. eine Leistung von 1901 Elo.

1987: Mephisto Dallas, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Hervorragendes Resultat für das Programm von Richard Lang in diesem Klubturnier: Ein Score von 6.0 Pkt aus 8 Partien (75 %), was bei einem ELO-Schnitt von 1986 einer Leistung von 2174 ELO entspricht.

1988: Saitek Maestro C18 (Turbo Kit), 8bit, CPU 65C02, 18 MHz
Das Programm von Julio Kaplan riss keine Bäume aus und zeigte eine schwache Leistung. Mit einem Endresultat von nur 2.5 Pkt aus 7 Partien oder einer Gewinnquote von 35,71 % und einer erzielten Turnierwertung von nur ELO 1862 bei einem ELO-Schnitt von 1969, hat das Saitek-Programm weit unter den Erwartungen, aber entsprechend der in allen Bereichen gezeigten qualitativ schwachen Vorstellung abgeschnitten.

Die kommentierten Partien der Jahre 1986, 1987 und 1988 habe ich hier bereits publiziert.

1989: Novag Super Forte B, 8bit, CPU 65C02, 5 MHz
Schauen wir nun, wie es dem Programm von David Kittinger gelaufen ist.

3. Runde, Englisch: Eine wunderbare und wahrlich hoch dramatische Partie lieferte der schöpferische Manfred Gosch seinem elektronischen Gegner. In einem scharfen Kampf erlangte Weiss eine gewonnene Angriffsstellung, die er sich allerdings durch einen zu hohen Zeitverbrauch erkauft hatte. Und so verpasste Weiss in komplizierter Stellung den Gewinn ebenso wie Abwicklungen ins Remis. Der Sieg von Novag Super Forte B ist demnach recht glücklich zustandegekommen, aber mit 2,5 Pkt aus 3 Partien oder einer Gewinnquote von 83 % darf man mit Programm von David Kittinger sehr zufrieden sein.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1989.??.??"]
[Round "3"]
[White "Gosch, Manfred"]
[Black "Novag Super Forte B"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "2138"]
[BlackElo "1950"]
[ECO "A30"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.Nf3 Nf6
{Mit 1,5 Punkten aus den ersten 2 Partien ging es in die dritte Runde. Mit Manfred Gosch hatte der Super Forte B gegen einen schöpferischen und unbequemen, zudem von der ELO-Wertung her (ELO 2138) starken Spieler anzutreten. Meine Hoffnung bestand darin, es möge eine komplizierte Partie werden, die dem Favoriten viel Bedenkzeit kosten würde. Zum Glueck gibt es selten ruhige Partien mit diesem Spieler, gegen den jede Vorbereitung zur Farce wird, denn er spielt alle Eröffnung mit einem oftmals die Gegner verwirrenden Eigenbau. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, durfte ich doch eine spannende und hoch dramatische Partie geniessen.}
2.c4 c5 3.g3 g6 4.Bg2 Bg7 5.O-O d5
{Schwarz letzter Buchzug}
6.cxd5 O-O 7.a3
{Was damit bezweckt werden soll, hat mir Gosch nicht verraten, auf jeden Fall war dieser Überdeckungszug des Feldes b4 noch nicht notwendig.}
7...Nxd5 8.Nc3 Nc6
{Durch Zugumstellung ist eine Theoriestellung entstanden. Dann kann ja 7.a3 nicht wirklich getadelt werden.}
9.Nh4
{Will den Computer offenbar zum Schlagen Sxc3 und zur Stärkung des weissen Zentrums verleiten oder gar f2-f4 spielen, um nach einem allfälligen e7-e5 mit fxe5 oder f4-f5 die f-Linie zu öffnen.}
( 9.Nxd5 Qxd5 10.d3 b6 11.Rb1 Bb7 12.Be3 {ist eine mögliche Theorievariante.} )
9...Nf6
{Unlogischer Rückzug, standen doch in 9...Le6 oder 9...e6 mit der Idee, später den Aufmarsch b6/Lb7 zu verwirklichen, zwei gute Alternativen zur Verfügung.}
10.d3 a6
{Schwächt das Feld b6 und erlaubt dem Gegner, auf der c-Linie unangenehm aktiv zu werden.}
11.Na4 Nd7
{Heutige Programme (2009) würden wohl eher zur aktiven Verteidigung ...Sd4 greifen.}
12.Be3
{Schach ist kompliziert geworden und nur ein Grossmeister - bzw. eine gründliche Analyse - dürfte die richtige Antwort finden: war es denn positionell nicht angezeigt, dem Schwarzen mit Lg2xc6 seinen Damenflügel zu demolieren und ihm tödliche Bauernschwächen anzuhängen. Bieten denn dem Schwarzen die sich öffnende b-Linie und das Läuferpaar nicht doch genügend Kompensation für die gravierenden Bauernschwächen.}
12...Nd4 13.Rc1 Qa5 14.Rc4 $5
{Äusserst interessant und typisch Manfred Gosch, der sich nie mit einfachen Fortsetzungen abgibt, wenn er irgendwo eine Chance wittert. Beim überraschenden Textzug hat Weiss offenbar keine Angst vor der Antwort ...b5, Lxd4 cxd4, b4 Dxa4, Dxa4 bxa4, Lxa8 usw. Die Idee von 14.Tc4 besteht in der Lockerung des schwarzen Zentralspringers auf d4 mit b2-b4. Aber Weiss hatte für das wunderlich anmutende Turmmanöver immerhin 29 Min investiert und total bereits 1 Std 17 Min verbraucht. Auch die folgenden Züge kosteten den Weissen viel Zeit. Es beginnt spannend zu werden.}
14...Rd8
{Der Textzug ist nicht besonders gut und erlaubt es Weiss, die Initiative zu ergreifen.}
( {Nach} 14...b5 15.Bxd4 cxd4 16.b4 Qxa4 17.Qxa4 bxa4 18.Bxa8 Nb6 19.Be4 Nxc4 20.dxc4 {ist die dynamisch gleichstehend aussehende Stellung schwer einzuschätzen.} )
15.b4 Nxe2+
{Auch das musste Weiss vorausgesehen haben.}
16.Kh1 cxb4 17.axb4 Qb5
{Weiss steht besser. Unter anderem hat der Gegner Probleme mit dem auf e2 dumm platzierten Springer, der verloren zu gehen droht. Ferner leidet Schwarz an akutem Entwicklungsrückstand. Mir als Bediener gefiel der Gang der Dinge gar nicht und meine einzige Hoffnung ruhte im (zu) hohen Zeitverbrauch von Weiss.}
18.f4
{Damit schreitet Weiss zum Angriff, vorerst soll die f-Linie geöffnet und momentan auch Sd7-e5 verhindert werden. Wichtig zu wissen, dass Gosch bis zur Zeitkontrolle im 40.Zug nur noch 14 Min verblieben. Umso erstaunlicher, was er noch aus der Stellung kitzelt.}
18...e5 $6
{Das ist nicht die beste Verteidigung, die wohl in 18...Sf8 bestand}
19.Qxe2
( {Sofort} 19.f5 $1 {sieht sehr stark aus} 19...g5 20.Qxe2 Qxa4 21.Bxg5 $18 )
19...Qxa4 20.f5 Nf8
( 20...gxf5 $4 21.Nxf5 {und Weiss gewinnt in wenigen Zügen.} )
21.Bb6 $1
{Scheint noch stärker als das von mir befürchtete 21.Lg5 und bringt Schwarz in echte Schwierigkeiten.}
21...Re8
{?! Präziser ist 21...Td7 oder gar 21...Ld7}
22.Bd5
{Super stark sieht hier 22.Df2 aus.}
22...Qb5 23.Bc5 Rd8
{? Super Forte B ist der Situation nicht gewachsen und erkennt die ihm drohenden Gefahren nicht. Notwendig war 23...Dd7.}
24.Bxf7+ $5
{Ein mutiges Hineinziehungsopfer, aber nicht die beste Wahl. Der von Zeitnot geplagte Weiss-Spieler verpasst zwei Gewinn bringende Züge wie 24.fxg6 oder 24.Sxg6. Trotz des ungenauen Textzuges bleibt die Lage für Schwarz gefährlich.}
( {a)} 24.fxg6 Rxd5
( 24...hxg6 25.Bxf7+ Kh7 26.Bxg6+ Nxg6 27.Qh5+ Kg8 28.Nxg6 {und bald Matt} )
( 24...Nxg6 25.Bxf7+ Kh8 26.Nxg6+ hxg6 27.Rh4+ Bh6 28.Rxh6+ Kg7 29.Rxg6+ Kh8 30.Qh5# )
25.gxf7+ Kh8 26.Bxf8 Bxf8 27.Rxc8 Rd8 28.Qg4 Qd5+ 29.Rf3 Be7 30.Rc7 Qd6 31.Nf5 Qg6 32.Qxg6 hxg6 33.Nxe7 {+-} )
( {b)} 24.Nxg6 Rxd5 25.Ne7+ Kh8 26.f6 Bxf6 27.Rxf6 Be6 28.Rxe6 Nxe6 29.Nxd5 Qc6 30.Qxe5+ {und gewinnt} )
24...Kxf7
{Super Forte B sieht sich mit 1.56 im Vorteil, ich hatte meine Zweifel. Die Annahme des Opfers war übrigens erzwungen.}
( 24...Kh8 $4 25.Bxf8 Rxf8 26.Nxg6+ hxg6 27.fxg6 Bh6 28.Rc5 {und Weiss gewinnt} )
25.fxg6+ Kg8
{Erzwungen, ansonsten Schwarz Matt gesetzt wird.}
26.gxh7+ $2
{In Zeitnot und von den komplizierten Berechnungen ermüdet, greift Weiss schliesslich fehl. Mit entweder a) Txf8 oder b) Lxf8 ist der Remisweg noch nicht verwehrt.}
( {a)} 26.Rxf8+ Rxf8 {erzwungen} 27.gxh7+ Kxh7 28.Bxf8 Bxf8 29.Qh5+ Kg8 30.Qg6+ Bg7 31.Rxc8+ Rxc8 32.Qe6+ Kh7 33.Qf5+ Kg8 34.Qe6+ {Weiss kann gar mehr versuchen mit 34.Dxc8+} 34...Kh7 35.Qf5+ Kg8 36.Qe6+ Kh7 37.Qf5+ {Remis 3x} )
( {b)} 26.Bxf8 Rxf8 27.gxh7+ Kxh7 28.Rxf8 Bxf8 29.Qh5+ {mit Übergang zur Variante a)} )
26...Nxh7 27.Qh5 Be6 $2
{Nun ist es Super Forte B, der fehlgreift und dem Gegner erlaubt, doch noch das Remis zu erreichen. Mit 27...Sf6 oder 27...Dc6+ hatte Schwarz zwei gewinnträchtige Fortsetzungen.}
28.Nf5 $2
{? A tempo gespielt, aber damit gerät der Zeitnot gestresste Manfred Gosch endgültig auf den falschen Pfad. Dabei war das Remis mit dem fantastischen Rettungszug 28.Sg6!! noch immer zu haben, denn es droht Se7 gefolgt von Th4.}
( 28.Ng6 $3 Rd7 29.Rh4 Nf6 30.Qg5 Qxd3 31.Kg1 Bc4
( 31...Ng4 32.Qh5 Nf6 33.Qg5 )
( 31...Qc2 32.Rxf6 Rd1+ 33.Rf1 Rxf1+ 34.Kxf1 Qb1+ 35.Kf2 Qb2+ 36.Kg1 Qb1+ 37.Kf2 )
( 31...Nh7 32.Qh5 Nf6 33.Qg5 )
( 31...Bd5 32.Rxf6 Bxf6 33.Ne7+ Kf7 34.Qh5+ Ke6 35.Qg4+ Kf7 36.Qh5+ )
( 31...Rf7 32.Nxe5 Qd5 33.Nxf7 Bxf7 34.Rf5 Qd1+ 35.Rf1 Qd5 )
32.Rh8+ Bxh8 33.Ne7+ Kf7 34.Qh5+ Kg7 35.Qg5+ )
28...Bxf5 29.Qxf5 Qd7 $1
{Infolge Doppelangriff auf die Df5 und den d3-Bauern erzwingt der gute Textzug den für Weiss unangenehmen Damentausch, zumal andere Fortsetzungen die weisse Stellung verschlechtern. }
30.Qh5
{Trotz höchster Zeitnot will Weiss die Damen auf dem Brett behalten.}
30...Qxd3 31.Qf7+ Kh8 32.Rg4
{Droht Matt auf g7 und verhindert so das gegnerische Tf8. In der Folge findet der Computer nicht nur gute Verteidigungszüge, sondern versteht es, das Blatt endgültig zu seinen Gunsten zu wenden.}
32...Rd7 33.Qf2 Rad8
{Ein heimtückischer Zug, dessen Sinn dem Weiss-Spieler in seiner hochgradigen Zeitnot entgeht.}
34.Rh4 Qxf1+ $1
{Die einfachste Abwicklung zum Gewinn.}
35.Qxf1 Rd1 36.Kg2 Rxf1 37.Kxf1
{Nun steht Weiss mit einer Minusfigur im Regen.}
37...Rd2 38.Be3 Rb2 39.Rc4 Nf6 40.h4
{Schon zitterte das Blättchen auf der weissen Uhr bedenklich, als Gosch den letzten Zug vor der Zeitkontrolle auf das Brett schmetterte. Normalerweise hätte er nun aufgegeben, da ihm aber bekannt war, dass Computer öfters Freibauern unterschätzen, spielte er der h- und g-Bauern wegen noch weiter. Allerdings vergebliche Liebesmüh.}
40...Nd5 41.Bc5 b6 42.Bf2 Rxb4 43.Rc8+ Kh7 44.Rd8 Nf6 45.Rd6 Ne4 46.Rxb6 Nxg3+ 47.Kg2 Rxb6 48.Bxb6 Nh5 49.Kf3 Kg6 50.Ke4 Nf6+ 51.Kf3 e4+ 52.Kg3 Nd5 53.Bc5 Kf5 54.Kh3 e3 55.Kg3 e2 56.Kf2 Nf4 57.Be3 Bc3 58.Kf3 e1=Q 59.Bd4 Qe2+ 60.Kg3
{Welch eine Drama für Weiss und was für ein Glück für Super Forte B, der nun mit 2,5/3 Punkten (83%) sehr gut im Rennen liegt.}
60...Qg2# 0-1

Geändert von applechess (04.02.2017 um 12:21 Uhr)
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Boris (04.02.2017), breizatao (06.02.2017), Egbert (04.02.2017), Frank Velbrati (05.02.2017), Mapi (04.02.2017), MaximinusThrax (04.02.2017), Robert (04.02.2017)
  #44  
Alt 04.02.2017, 13:17
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Hallo Kurt,

eine gut geführte Angriffspartie des Weißen. Doch wie so oft, versteht es der Mensch in besseren oder sogar Gewinnstellungen nicht, diese in einen tatsächlichen Gewinn zu wandeln. Hier kam die Zeitnot noch erschwerend hinzu. Dennoch, auch hier ein Lob an den Novag Super Forte, welcher sich sehr zäh verteidigt hat.

Gruß
Egbert
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  #45  
Alt 05.02.2017, 13:28
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Liebe Schachfreunde

Der Einsatz von Schachcomputern in unserer Vereins-Meisterschaft in Pfäffikon, Kanton Zürich, Schweiz, war für mich als Bediener, wie auch für die teilnehmenden Spieler, immer spannend.

1986: Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Das damalige Weltmeisterprogramm von Richard Lang erreichte 3 Pkt aus 7 Partien, eine Gewinnquote von 42,8 % bzw. eine Leistung von 1901 Elo.

1987: Mephisto Dallas, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Hervorragendes Resultat für das Programm von Richard Lang in diesem Klubturnier: Ein Score von 6.0 Pkt aus 8 Partien (75 %), was bei einem ELO-Schnitt von 1986 einer Leistung von 2174 ELO entspricht.

1988: Saitek Maestro C18 (Turbo Kit), 8bit, CPU 65C02, 18 MHz
Das Programm von Julio Kaplan riss keine Bäume aus und zeigte eine schwache Leistung. Mit einem Endresultat von nur 2.5 Pkt aus 7 Partien oder einer Gewinnquote von 35,71 % und einer erzielten Turnierwertung von nur ELO 1862 bei einem ELO-Schnitt von 1969, hat das Saitek-Programm weit unter den Erwartungen, aber entsprechend der in allen Bereichen gezeigten qualitativ schwachen Vorstellung abgeschnitten.

Die kommentierten Partien der Jahre 1986, 1987 und 1988 habe ich hier bereits publiziert.

1989: Novag Super Forte B, 8bit, CPU 65C02, 5 MHz
Schauen wir nun, wie es dem Programm von David Kittinger gelaufen ist.

4. Runde, Aljechin-Verteidigung, Modern, Panov-Variante: Weiss (Computer) lässt es zu, dass seine Bauernstruktur am Damenflügel empfindlich geschwächt wird. Die irreparablen Schwächen nutzt der Gegner gnadenlos aus. Und Novag Super Forte B wird in einer sauberen Partie im wahrsten Sinne des Wortes absolut chancenlos an die Wand gespielt. Eine prächtige Positionspartie des menschlichen Spielers. Trotzdem kann das Computerprogramm mit 2,5 Pkt aus 4 Partien [62,5 %] m Turnier noch mitmischen.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1989.??.??"]
[Round "4"]
[White "Novag Super Forte B"]
[Black "Hugentobler, Patrik"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "1950"]
[BlackElo "2160"]
[ECO "B05"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.e4 Nf6
{Gegen den Turnierfavoriten Patrik Hugentobler (ELO 2160) durfte ich mir nicht einmal Hoffnungen auf ein Remis machen. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Teilnehmern des Klub-Turniers, spielt Hugentobler nämlich grundsolide in allen Phasen und zweifelhafte Experimente sieht man bei ihm kaum. Überdies versteht er es ausgezeichnet, in ausgeglichenen Stellungen stundenlang zu manövrieren und auf Fehler des Gegners zu warten. Kurzum, die Voraussetzungen für einen Schachcomputer waren denkbar ungünstig, zumal Hugentobler auch das Endspiel gut behandelt.}
2.e5 Nd5 3.d4 d6 4.Nf3 Bg4 5.h3
{Weiss letzter Buchzug. Diese Variante gefiel mir wenig, denn hier hat Schwarz dank des Druckes auf den weissen e5-Bauern nicht die geringsten Eröfnungsprobleme zu lösen.}
5...Bxf3 6.Qxf3 dxe5 7.dxe5 e6 8.Nc3
( 8.c4 {ist ungesund, weil nach} 8...Nb4 9.Qxb7 $2 {nicht funktioniert wegen} 9...N8c6 $19 {und Schwarz steht auf Gewinn} )
8...c6 9.Bd2 Nd7 10.Qh5 $2
{Ein lächerlich anmutendes Manöver, um den e5-Bauern zu decken. Nun wird die weisse Majestät mit Tempogewinn (g6) verjagt und gelangt der schwarze Lf8 mit erneutem Tempogewinn nach g7. Richtig war z. B. 10.Dg3.}
10...g6 11.Qe2 Bg7 12.Nxd5 $6
{Das stärkt nur das gegnerische Zentrum.}
( 12.f4 Qh4+ 13.Qf2 Qxf2+ 14.Kxf2 $10 {war eine gut spielbare und ausgleichende Fortsetzung} )
12...cxd5 13.Bc3 $2
{Richtig war 13.f4, denn nach der folgenden Abwicklung verbleibt Weiss mit einer ruinösen Bauernstruktur.}
13...Qg5 14.Qb5 $2
{Der e5-Bauer ist futsch, somit will sich der Computer auf b7 revanchieren. Keine gute Lösung des Stellungsproblems.}
( 14.h4 {kommt in Frage} 14...Qf5 15.Qe3 Nxe5 16.Bb5+ Kf8 17.O-O-O {und diese Stellung mit nicht rochiertem schwarzen König und dem eingeklemmten Th8 ist zumindest unklar bis gar chancenreich für Weiss.} )
14...Bxe5 15.Qxb7
{Besser war es wohl, vorerst Ld2 einzuschalten}
15...Bxc3+ 16.bxc3 Qe5+
{Vermasselt dem Gegner auch noch die Rochade.}
17.Kd2 Qf4+ 18.Kd1 Qb8 $17 19.Ba6
{Gegen das Zulassen des Damentausches spricht, dass es Schwarz einfach fallen wird, im kommenden Mittel- und Endspiel die weissen schwachen Bauern zu massieren. Für den Damentausch spricht, dass Weiss mit seinem nicht rochierten König recht windig dasteht.}
19...Qxb7 20.Bxb7 Rb8 21.Bc6 Rb6 22.Ba4 Ke7 23.Bb3 $2
{Vor zwei Zügen hat es Weiss verpasst, seinen Läufer gegen den schwarzen Springer zu tauschen, was allerdings eine nur zweifelhafte Rettung im Turmendspiel bedeutet hätte. Der Textzug jedoch ist schecklich, steht nun doch der Lb3 nur wie ein grosser Bauer in der Landschaft herum, denn zu c3-c4 wird Weiss nie kommen.}
23...Rc8
{Der Druck auf der c-Linie gegen die schwachen Doppelbauern beginnt. Eine schönere und einfach zu spielende Stellung hätte sich Patrik Hugentobler nicht wünschen können.}
24.Kd2 Rbc6 25.Rab1 Rxc3
{Schon ist ein Bauer gefallen bei noch immer klar nachteiliger Stellung für Weiss. Eigentlich ist der Kampf hier bereits entschieden.}
26.Rhe1 Kd6
{Behebt die Drohung Lxd5, die wegen ...Txc2 nicht mal eine echte Drohung darstellt. Immerhin steht der schwarze König im Zentrum auf jeden Fall gut.}
27.Red1 f6 28.Re1 e5 29.a4 $2
{Das schlägt dem Fass den Boden raus. Super Forte B mauert sich den Läufer endgültig ein.}
29...a5
{Die natürliche Riposte, die a4-Bauern festlegt.}
30.Re2 Nb8
{Guter Plan: das Ross strebt nach b4 mit Druck gegen c2.}
31.Rb2
{Weiss hat nicht das geringste Gegenspiel und muss tatenlos zusehen, wie sein Gegner die Stellung zu verstärken gedenkt.}
31...Na6 32.Rb1 Nb4 33.Rb2 f5
{Langsam aber sicher verwertet Schwarz seine Vorteile. So sang- und klanglos habe ich schon lange keinen Computer mehr untergehen sehen.}
34.Re1 e4 35.Reb1 Ke5 36.h4 f4
{Fortsetzung der schwarzen Einschnürgungspolitik gegen Weiss.}
37.h5 g5
{Schwarz lässt sich auf gar nichts ein und verstärkt einfach seine Stellung.}
38.h6 e3+ 39.Kd1 R8c6 40.fxe3 fxe3
{Es geht weiteres Material verloren, deshalb Aufgabe für den Computer. Nun steht das Programm von David Kittinger mit 2,5 Pkt aus 4 Partien [62.5 %] noch immer passabel da.}
0-1
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Boris (07.02.2017), breizatao (06.02.2017), Egbert (05.02.2017), Frank Velbrati (05.02.2017), Mapi (05.02.2017), Wolf 21 (05.02.2017)
  #46  
Alt 05.02.2017, 15:03
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Hallo Kurt,

in dieser Partie gab es aber auch wirklich gar nichts zu holen für den Novag Super Forte. Eine überlegene Spielführung des menschlichen Widerparts.

Gruß
Egbert
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  #47  
Alt 06.02.2017, 10:53
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Der Einsatz von Schachcomputern in unserer Vereins-Meisterschaft in Pfäffikon, Kanton Zürich, Schweiz, war für mich als Bediener, wie auch für die teilnehmenden Spieler, immer spannend.

1986: Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Das damalige Weltmeisterprogramm von Richard Lang erreichte 3 Pkt aus 7 Partien, eine Gewinnquote von 42,8 % bzw. eine Leistung von 1901 Elo.

1987: Mephisto Dallas, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Hervorragendes Resultat für das Programm von Richard Lang in diesem Klubturnier: Ein Score von 6.0 Pkt aus 8 Partien (75 %), was bei einem ELO-Schnitt von 1986 einer Leistung von 2174 ELO entspricht.

1988: Saitek Maestro C18 (Turbo Kit), 8bit, CPU 65C02, 18 MHz
Das Programm von Julio Kaplan riss keine Bäume aus und zeigte eine schwache Leistung. Mit einem Endresultat von nur 2.5 Pkt aus 7 Partien oder einer Gewinnquote von 35,71 % und einer erzielten Turnierwertung von nur ELO 1862 bei einem ELO-Schnitt von 1969, hat das Saitek-Programm weit unter den Erwartungen, aber entsprechend der in allen Bereichen gezeigten qualitativ schwachen Vorstellung abgeschnitten.

Die kommentierten Partien der Jahre 1986, 1987 und 1988 habe ich hier bereits publiziert.

1989: Novag Super Forte B, 8bit, CPU 65C02, 5 MHz
Schauen wir nun, wie es dem Programm von David Kittinger gelaufen ist.

5. Runde, Sizilianisch, Morra-Gambit: Eines muss man dem Novag Super Forte B zugestehen, das Programm spielt meistens interessantes Schach. So auch dieses Mal. Der menschliche Weiss-Spieler opfert Bauern für gutes Figurenspiel, wäre am Ende aber wohl ohne genügende Kompensation geblieben. Ein fehlerhafter Springerzug wendete dann jedoch das Blatt und Schwarz geriet in einen tödlichen Angriff. Nach 5 Partien hat das Novag-Programm 2,5 Pkt (50 %) auf seinem Konto.


[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1989.??.??"]
[Round "5"]
[White "Scheidegger, Andreas"]
[Black "Novag Super Forte B"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "2025"]
[BlackElo "1950"]
[ECO "B22"]
[Annotator "Utzinger,K"]

{Heute habe ich einen spannenden Kampf erwartet. Der immer dynamisch agierende e4-Weiss-Spieler, Andreas Scheidegger (ELO 2025), liebt beispielsweise das Göring-Gambit, das Belgrader-Gambit und das Morra-Gambit. Tatsächlich entwickelte sich eine spannende Partie. Nach gutem Eröffnungsaufbau wurde der Computer dann habgierig, ging auf Bauernfrass aus. Selbst das hätte sich die Maschine erlauben können. Erst ein fehlerhafter Springerzug brachte dann die Wende mit einem tödlichen Angriff zugunsten von Weiss. Und Novag Super Forte B ging in einer Kurzpartie schmachvoll unter. Damit also 2.5 Pkt aus 5 Partien (50%) für die Maschine.}
1.e4 c5 2.d4 cxd4 3.c3 Nf6 4.e5 Nd5 5.Bc4 Qc7 6.Qe2 Nb6 7.Bd3 Nc6 8.Nf3 g6 9.O-O dxc3 10.Nxc3 Bg7 11.Re1 O-O 12.Bg5 d5
{Erst hier endet die gut aufgebaute Eröffnungsbibliothek des Super Forte B. Scheidegger zeigte sich überrascht und bekannte, dass dieses Abspiel seiner Meinung nach die beste Wahl gegen das gefürchtete Morra-Gambit darstellt.}
13.exd6 Qxd6 14.Rad1 Qb4
{Geht aus der Gegenüberstellung des weissen d1-Turms und droht auf c3 Bauerngewinn. Wie eine Fernschachpartie zeigt, scheint 14...Lg4 eine gute Alternative für Schwarz zu sein.}
( 14...Bg4 15.Bxe7 Nxe7 16.Qxe7 Qxe7 17.Rxe7 Rab8 18.Be2 Bxc3 19.bxc3 Be6 20.Nd4 Bxa2 21.Re5 Bc4 22.Bf3 Na4 23.Ra5 Nxc3 24.Rc1 Rfd8 25.Rxc3 Rxd4 26.Rxa7 b5 27.Rc7 Kg7 28.g3 Be6 29.Re3 b4 30.Rb3 Rc4 31.Rb2 Rc6 32.Bxc6 b3 {0-1 Wolfram Reinhard-Isigkeit Hans Juergen, corr EM/CL/Qualif, 2002} )
15.Bxe7 Nxe7 16.Qxe7
{Bislang hat der Super Forte B durchwegs die besten Züge gefunden.}
16...Qxb2 $5
{Der Super Forte B will den die grosse Diagonale beherrschenden Lg7 behalten, verzichtet also auf den möglichen Bauerngewinn mit 16...Lxc3. Dafür greift die Dame auf b2 zu, was für Schwarz ebenfalls noch erträglich scheint. Und da Schwarz auch mit 16...Lxc3 gemäss der folgenden Fernschachpartie eine gute Stellung erhält, dürfen ob der Korrektheit des weissen Bauernopfers doch Zweifel angebracht sein.}
( 16...Bxc3 17.bxc3 Qxe7 18.Rxe7 Nd5 19.Ree1 Nxc3 20.Rc1 Nxa2 21.Rc7 Be6 22.Rxb7 Rfb8 23.Rc7 Rc8 24.Rb7 a5 25.Ng5 Bd5 26.Rbe7 a4 27.Be4 Bxe4 28.Nxe4 Rc1 29.Nf6+ Kg7 30.Ne8+ Kf8 {0-1 Kunz Harry-Schulz Hans Juergen, corr QTV-24 Hohenhorst, 1991} )
17.Nb5
{Diesen Springerzug verstehe ich nicht und frage mich, ob denn nicht das zentralsierende 17.Se4 die bessere Wahl darstellt.}
17...Bf6
{Offenbar darf man auch den a2-Bauern nehmen.}
( 17...Qxa2 18.Bb1 Qa4 19.Nc7 Rb8 20.Ne5 Be6 21.Nxe6 Rbe8 22.Qxb7 Rxe6 23.Nd3 Rfe8 24.Qf3 Re2 25.Rc1 Rxe1+ 26.Rxe1 Rxe1+ 27.Nxe1 Qb4 28.Qd1 Nd5 29.Bc2 Qe7 30.Nf3 Nc3 31.Qd3 a5 32.Qa6 Qb4 33.Ng5 a4 34.Qa8+ Qf8 35.Qa6 Qa3 36.Bd3 Qc1+ 37.Bf1 h6 38.Ne4 Nxe4 39.Qa8+ Kh7 40.Qxe4 a3 41.Qd5 Qb2 {0-1 De Coninck Georges-Voelkler Bernd, corr NED-ch M, 1990} )
18.Qc7 Qxa2
{Es ist verrückt, aber gegen diesen zweiten Bauernraub ist keine Widerlegung ersichtlich. Wohl stehen alle weissen Figuren gut, aber wie kann Weiss die Stellung verstärken?}
19.Nd6 Nd5
( {Sofortige Entwicklung mit} 19...Be6 {und Rückgabe eines Bauern scheint hier die beste Wahl für Schwarz.} )
20.Qc5
{Droht vernichtend Lc4, so dass Schwarz zu 20...Sb6 greifen müsste. Und Weiss hätte sich dann mit 21.Dc7 Sd5, 22.Dc5 Sb6 und Remis durch Zugwiederholung zufrieden geben müssen.}
20...Nc3 $2
{Schliesslich greift die Maschine doch noch fehl, was sich erklärt durch den Umstand, dass Super Forte B sich nach dem schlechten Textzug mit +1.06 im Vorteil sieht.}
21.Bc4 Qa4
{Etwas Besseres ist nicht zu sehen und obwohl es im nächsten Zug bei Schwarz kracht, sieht sich der Computer unverändert im Vorteil, auch wenn die Bewertung auf +0.96 gefallen ist.}
22.Nxf7 $1
{Vor Ausführung dieses Gewinnzuges gab es viel zu berechnen.}
22...Nxd1 $2
{Das Computerprogramm zeigt sich der Lage nicht gewachsen, denn nur mit dem giftigen Zwischenzug 22...b5 war grösserer, wenn auch ungenügender Widerstand möglich.}
( 22...b5 23.Bd5 Nxd5 24.Qxd5 Qc4 25.Nh6+ Kg7 26.Qxa8 $18 )
23.N7g5+ Be6
{denn 23...Kg7 hat die toedliche Antwort 24.Te7 zur Folge}
24.Rxe6 Kh8 25.Rxf6
{und angesichts von 25...Txf6, 26.De7 nebst Matt auf h7 gibt Schwarz auf.}
1-0
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breizatao (06.02.2017), Egbert (06.02.2017), Mapi (06.02.2017)
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Alt 06.02.2017, 12:16
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Hallo Kurt,

eigentlich eine unnötige Niederlage des Super Forte. 20. ...Sc3 war allerdings auch wirklich schwach.

Gruß
Egbert
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applechess (06.02.2017)
  #49  
Alt 07.02.2017, 11:50
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Liebe Schachfreunde

Der Einsatz von Schachcomputern in unserer Vereins-Meisterschaft in Pfäffikon, Kanton Zürich, Schweiz, war für mich als Bediener, wie auch für die teilnehmenden Spieler, immer spannend.

1986: Mephisto Amsterdam, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Das damalige Weltmeisterprogramm von Richard Lang erreichte 3 Pkt aus 7 Partien, eine Gewinnquote von 42,8 % bzw. eine Leistung von 1901 Elo.

1987: Mephisto Dallas, 16bit, 68000 CPU, 12 MHz
Hervorragendes Resultat für das Programm von Richard Lang in diesem Klubturnier: Ein Score von 6.0 Pkt aus 8 Partien (75 %), was bei einem ELO-Schnitt von 1986 einer Leistung von 2174 ELO entspricht.

1988: Saitek Maestro C18 (Turbo Kit), 8bit, CPU 65C02, 18 MHz
Das Programm von Julio Kaplan riss keine Bäume aus und zeigte eine schwache Leistung. Mit einem Endresultat von nur 2.5 Pkt aus 7 Partien oder einer Gewinnquote von 35,71 % und einer erzielten Turnierwertung von nur ELO 1862 bei einem ELO-Schnitt von 1969, hat das Saitek-Programm weit unter den Erwartungen, aber entsprechend der in allen Bereichen gezeigten qualitativ schwachen Vorstellung abgeschnitten.

Die kommentierten Partien der Jahre 1986, 1987 und 1988 habe ich hier bereits publiziert.

1989: Novag Super Forte B, 8bit, CPU 65C02, 5 MHz
Schauen wir nun, wie es dem Programm von David Kittinger gelaufen ist.

6. Runde, Pic-Ufimzew-Verteidigung, Dreibauernangriff: Zu einem unerwartet leichten Sieg kam das Elektronengehirn. Dies deshalb, weil sein menschlicher Gegner die Eröffnung leichtfertig behandelt und einen dummen 'Fingerfehler' begeht, der zu einer miesen Stellung führt. Statt sich damit abzufinden, opfert Schwarz aber Bauern und wird in der Folge trotz grosser Bemühungen, die Sache zu komplizieren, überspielt. Damit hat Novag Super Forte B nun 3.5 Pkt aus 6 Partien oder 58 %, also ein achtbares Ergebnis.



[Event "VM 120'/40"]
[Site "Pfaeffikon"]
[Date "1989.??.??"]
[Round "6"]
[White "Novag Super Forte B"]
[Black "Seiler, Erik"]
[Result "1-0"]
[WhiteElo "1950"]
[BlackElo "1956"]
[ECO "B09"]
[Annotator "Utzinger,K"]

1.e4
{Heute war mindestens ein Remis gefordert, damit der Computer nicht das erste Mal unter die 50%-Marke fällt. Keine leichte Aufgabe gegen seinen 1956 ELO starken Gegner, der einen komplizierten Stil pflegt}
1...d6 2.d4 Nf6 3.Nc3 g6 4.f4 Bg7 5.Nf3 c5 6.e5
{Weiss letzter Buchzug}
( 6.Bb5+ Bd7 7.e5 Ng4 {ist die normale Fortsetzung} )
6...Ng4
{Ein dummer à tempo Zug, bzw. ein Fingerfehler, denn Schwarz stellte diesen Springer automatisch nach g4, ohne sich bewusst zu sein, dass Weiss nicht die übliche Aufstellung 6.Lb5 Ld7 7.e5 Sg4 gewählt hatte, sondern das direkte 6.e5. Selbst wer die Theorie gut beherrscht, tut also gut daran, seine Züge nicht automatisch auszuspielen.}
7.dxc5
{Erst jetzt bemerkte Schwarz seinen Fehler, nachdem er sich vorerst wunderte, weshalb dxc5 noch nie jemand gegen ihn gespielt hat}
7...O-O
( 7...dxc5 8.Qxd8+ Kxd8 9.h3 Nh6 10.Be3 b6 11.O-O-O+ {war für den sich ärgernden Schwarzspieler keine erstrebenswerte Stellung, denn Weiss steht positionell bereits auf Gewinn. Trotzdem hätte sich der menschliche Spieler auf diese Variante einlassen müssen. Dann wäre wenigstens noch echter Kampf möglich gewesen.} )
8.cxd6 exd6 9.h3 Nh6 10.Qxd6 Qxd6 11.exd6 Re8+
( 11...Nf5 {war die spürbar bessere Fortsetzung} 12.Nb5 Na6 13.Bd3 $16 )
12.Kf2
{Hier steht der König völlig sicher.}
12...Bf8 $2
{Mit seinen zwei Minusbauern hat Schwarz wirklich nichts zum Lachen, aber deshalb gab es keinen Anlass, mit diesem unbedachten Läuferrückzug noch die Qualität herzugeben.}
13.Nd5
{Mit der Doppeldrohung Sf6 oder noch schlimmer Sc7.}
13...Rd8 14.Nc7 Bxd6 15.Nxa8 b6 16.Bd3 Bb7 17.Rf1
{Es ist schwer zu verstehen, was Novag Super Forte B vom weiteren Bauerngewinn 17.Sxb6 abgehalten hat.}
( 17.Nxb6 axb6 18.Be3 $18 )
17...Bxa8
{Die schwarze Stellung ist aufgabereif, aber Erik Seiler wollte nicht der erste sein an diesem Abend, der das Brett räumen musste.}
18.Be3 Nd7 19.Rad1 Nc5 20.Nd4 Re8 21.f5 Be5
( 21...Rxe3 22.Kxe3 Bxg2 23.Rg1 Bxh3 24.Rh1 Bg4 25.Be2 {ist ebenfalls hoffnunglos} )
22.fxg6 hxg6 23.Bxg6 $2
{Eine schliesslich nicht ins Gewicht fallende Fehlberechnung des Computers.}
23...fxg6 24.Bxh6 Kh7
{Wiederum ungenau, aber leider kann sich Weiss - im Mehrbesitz von Qualität und 2 Bauern - solche Schlampereien leisten.}
( 24...Ne4+ 25.Kg1 Ng3 26.Rf2 Bxd4 27.Rxd4 Ne2+ 28.Rxe2 Rxe2 29.Rd8+ Kh7 30.Rxa8 Kxh6 31.Rxa7 Rxc2 {war objektiv die beste Variante, hätte Schwarz damit seinen materiellen Nachteil doch auf das Minimum von 2 Bauern beschränkt.} )
25.Bc1
( 25.Be3 {ist offensichtlich besser} )
25...Bh2
( 25...Ne4+ {besser, aber leider nutzlos wegen} 26.Kg1 Ng3 27.Rf2 Bxd4 28.Rxd4 Re1+ 29.Kh2 Nf1+ 30.Rxf1 Rxf1 31.Be3 {und wiederum verbleibt Weiss mit 2 Mehrbauern.} )
26.g4 Rf8+ 27.Ke2 Re8+ 28.Be3 Bd5
{Mit seinen grundsätzlich gut stehenden Figuren und der Beherrschung der e-Linie mit dem Turm gegen den weissen im Zentrum postierten König hat sich Schwarz noch Hoffnung gemacht für Gegenchancen, die sich zu seinem Leidwesen indessen nicht erfüllen. Die weisse Materialüberlegenheit ist einfach zu gross.}
29.a3
{Genauer 29.b3}
29...Bc4+ 30.Kf2 Bd6
{Verschmäht die Qualitaet, vermag aber natürlich den Verlust nicht aufzuhalten.}
31.Rfe1 Ne4+ 32.Kg2 Bg3 33.Rg1 Be5 34.Nc6 Bg7
( 34...Bxb2 35.Rd7+ Kg8 36.Bd4 {ist ebenfalls hoffnungslos.} )
35.Rge1 Bb5 $2
{Gestattet dem Gegner einen weiteren Bauerngewinn mit Tempo, weshalb 35...La6 besser war.}
36.Nxa7 Ba6 37.Bd4 Bxd4 38.Rxd4 Ra8 $4
{Der letzte grosse Bock, denn Weiss nimmt nicht sofort auf e4, sondern deckt mit einem Turmschach auf der 7. Reihe vorerst noch den angegriffenen Springer. Schwarz ist in dieser Partie wirklich von der Rolle.}
39.Rd7+ Kh6 40.Rxe4 Kg5 41.Re6
{Der Computer übersieht ein Matt in 5, beginnend mit 41.Te5+ usw.}
( 41.Re5+ Kf4 42.Nc6 Bf1+ 43.Kf2 Bd3 44.cxd3 Ra4 45.Rf7# )
41...Rf8 42.Kg3 Rf1
{Nun wird Schwarz Matt in drei Zuegen}
43.h4+
{und mit diesem leicht erspielten Sieg, hat Super Forte B mit 3.5 Pkt aus 6 Partien 58 % wieder ein positives Gesamtscore erzielt. }
1-0
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Boris (07.02.2017), breizatao (08.02.2017), Egbert (07.02.2017), Hartmut (07.02.2017), Mapi (07.02.2017), Robert (07.02.2017)
  #50  
Alt 07.02.2017, 12:22
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Hallo Kurt,

ein fast geschenkter Punkt für den Novag Super Forte.

Gruß
Egbert
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applechess (07.02.2017)
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