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Alt 19.10.2016, 07:50
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Solwac Solwac ist offline
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 Zitat von Rasmus Beitrag anzeigen
Sollte weitgehend mit Quiescence-Suche erledigt sein. Auch wenn der Effekt natürlich immer noch zuschlagen kann, wenn er außerhalb von Schlagfolgen stattfindet.
Nein, Ruhesuche und Horizonteffekt haben nicht viel miteinander zu tun. Die Ruhesuche soll dafür sorgen, dass taktische Motive nicht die Stellungsbewertung zu sehr stören. Bei einer Suche von einem Halbzug Tiefe sorgt die Ruhesuche dafür, dass nach einem Schlagzug ein mögliches Zurückschlagen betrachtet wird und die Suche sich nicht einen falschen Materialgewinn vorgaukelt.
Der Horizonteffekt hingegen beschreibt die zu geringe Suchtiefe um eine Entwicklung zu erfassen. Besonders auffällig wird es, wenn etwas durch Zwischenzüge über den Horizont geschoben wird.

 Zitat von Rasmus Beitrag anzeigen
Das kann man aber kontern, weil geschlossene Stellungen zu erkennen und vermeiden wesentlich einfacher ist, als sie richtig zu behandeln. Fängt mit einem darauf abgestimmten Eröffnungsbuch an und geht dann über asymmetrische (nur für den Computer) Negativbewertung blockierter Zentren weiter.

Das verhindert nicht alle geschlossenen Partien, aber man muß sich schon etwas mehr Mühe geben, das hinzubekommen, weil die Gegenwehr gegen diesen Plan früher losgeht. Und weil ein Flügelangriff bei nicht blockiertem Zentrum jederzeit mit einem Gegenschlag im Zentrum beantwortet werden kann.
Das funktioniert in der Praxis deutlich schlechter als in der Theorie. Crafty hat über Jahre hinweg asymmetrische Terme in der Bewertungsfunktion gehabt (im Spiel gegen Menschen), z.B. um blockierte Bauern zu entdecken (und vermeiden). Letztlich sind die programmierten Muster aber zu eng, d.h. es werden nur Extremfälle erkannt und ein kundiger menschlicher Schachspieler kann das Programm immer noch überlisten. Bob Hyatt hat es mal so beschrieben, dass die allgemeine Entwicklung von Hard- und Software mehr gegen blockierte Stellungen geholfen haben als der spezielle Code.

Schachprogramme wissen heute mehr über Bauernhebel u.ä., allerdings sind Zentrumsangriffe als Reaktion auf Flügelattacken immer noch nicht strategisch geplant, sie ergeben sich halt aus den Möglichkeiten der Stellung heraus.

 Zitat von Rasmus Beitrag anzeigen
Langsamere Hardware, aber mehr Wissen? Das macht dann gelegentlich anfällig für taktische Fehler, aber für einen menschlichen Benutzer ist es schon das attraktivere Spiel.

Auch PC-Systeme sind strategisch jedem menschlichen Meister unterlegen. Es ist nur so, daß sie taktisch so überlegen sind, daß die bessere Strategie der menschlichen Meister lange vor ihrer Realisierung an taktischen Wendungen zerschellt.
Problematisch wird eine Verlangsamung dann, wenn die Suche taktische Löcher nicht mehr schließen kann, die die Bewertungsfunktion bewusst nicht abdeckt. Programme mit geringer Suchtiefe müssen Bauerngabeln mit der Bewertung irgendwie abdecken um sie zu vermeiden. Mit steigender Suchtiefe macht das die Suche und die Bewertung kann sich um andere Terme kümmern. Ist die Balance nicht mehr gegeben, dann wird das Programm komisch und nicht attraktiv spielen.

Computer spielen immer nur die aktuelle Stellung. Die Aussagekraft der angegebenen Hauptvariante sinkt mit steigender Tiefe. Nach 10 Halbzügen sind nur noch forcierte Varianten interessant.



Zum letzten Punkt eröffne ich ein neues Thema, da es weit über den ChessGenius hinaus geht.
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Rasmus (19.10.2016), RetroComp (19.10.2016)